Termine:


Mitgliederversammlung

des Vereins Initiative KZ-Gedenkstätte Hessental e.V.

 am Freitag, den 29. Oktober 2021,

um 19 Uhr im Gasthaus „Goldener Adler“ (SHA, Marktplatz)

 

Tagesordnung:

1. Bericht des Sprecherrats

2. Aussprache
3. Kassenbericht

4. Entlastung des Sprecherrats und der Kassenleiterin

5. Neuwahlen

6. Verschiedenes

7. Kurzvortrag über NS-Täter in Hohenlohe nach 1945

 

Alle Vereinsmitglieder, aber auch alle sonst an unserer Arbeit Interessierten sind herzlich eingeladen. Über Ihren/Euren zahlreichen Besuch würden wir uns sehr freuen.


Buchvorstellung und Lesung

Karl Adolf Groß: Zweitausend Tage Dachau

Berichte und Tagebücher des Häftlings Nr. 16921

 

Dienstag, 9. November 2021, 19.30 Uhr

Schwäbisch Hall-Neues Globe

 

Karl Adolf Groß, gebürtig aus Schwäbisch Hall, weiß sofort, was die beiden SS-Männer von ihm wollen. Diese verdammten Postkarten! Aus Protest gegen Martin Niemöllers Verhaftung hatte er Hunderttausende von Postkarten mit Sprüchen des Theologen drucken lassen und über ganz Deutschland verteilt. Dafür soll er selbst ins KZ kommen - 2000 Tage lang.

 

Auf ganz eigenwillige Weise schildert Groß das System KZ in seiner zerstörerischen Sinnlosigkeit, bizarren Normalität und Unmenschlichkeit. Gleichzeitig entdeckt er ausgerechnet dort, was einen Christenmenschen unter alle den Herren- und Herdenmenschen ausmacht. Eine literarische Einzelstimme aus dunkelster Zeit und ein Zeugnis des christlichen Widerstands.

 

In Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung, der KZ-Gedenkstätte Schwäbisch Hall-Hessental und dem Molino-Verlag. Mitglieder des Ensembles der Freilichtspiele Schwäbisch Hall lesen aus dem eindringlichen Bericht. Die Einführung hält Wolfgang Schöllkopf. 


Lesung:
Jürgen Gückel: Heimkehr eines Auschwitz-Kommandanten

 

Sonntag, 21. November 2021, 11 Uhr

Hällisch-Fränkisches Museum Schwäbisch Hall

 

 »Onkel Fritz ist zurück aus Frankreich – im Zinksarg!« Mit dieser Szene aus dem Oktober 1954 beginnt die Biografie des deutschen SS-Offiziers und Auschwitz-Kommandanten Friedrich »Fritz« Hartjenstein. Dreimal wurde der für seine Taten im Konzentrationslager Natzweiler. zum Tode verurteilt. Nach neun Jahren Haft wurde er kurz vor seinem Tod unter Mitwirkung höchster Kirchenvertreter und deutscher Diplomaten vom französischen Staatspräsidenten begnadigt.

In seiner Heimatstadt, dem niedersächsischen Peine, ist das Schicksal Hartjensteins bis heute nicht bekannt. Auschwitz kennt jeder Deutsche; vom Schinden und Morden in Arbeitslagern wie in Struthof haben viele Deutsche ebenfalls gehört. Dass aber die Täter, die Organisatoren und Verwalter des millionenfachen Mordens, mitten aus der deutschen Bürgerschaft kamen, wurde im Nachkriegsdeutschland schnell verdrängt.

Nur sein Großneffe Werner H. versucht seit Jahrzehnten die Familiengeschichte und damit auch das dramatische Leben seines Großonkels und dessen Verstrickungen in die nationalsozialistischen Verbrechen zu erforschen. In seiner Reportage rekonstruiert Jürgen Gückel den Lebensweg des KZ-Kommandanten Friedrich Hartjenstein. Zweimal haben ihn britische Besatzungsrichter, ebenfalls zweimal französische Militärgerichte in Rastatt und Metz wegen seiner Verantwortung für die Gräueltaten in den mehr als 50 Außenlagern des KZ Natzweiler zur Verantwortung gezogen. Für seine zigtausendfachen Morde als Kommandant des Tötungslagers Auschwitz-Birkenau aber wurde er nie angeklagt.

Das Buch verdeutlicht nicht nur das scheinbar sorglose Leben eines Massenmörders und seiner Familie im Schatten von Stacheldraht und Gaskammern. Es belegt auch, wie die deutsche Gesellschaft, wie Kirchenvertreter und Juristen, ja gar hochrangige Bundespolitiker in den frühen 1950er-Jahren mithalfen, die noch immer in Frankreich inhaftierten NS-Verbrecher zu verharmlosen und sie zu unberechtigt festgehaltenen Kriegsgefangenen zu stilisieren.


Montag, den 29. November 2021, 20 Uhr

 

Vortrag von Folker Förtsch:

"Todeszone" Generalgouvernement - Deutsche Judenpolitik im besetzten Polen

Volkshochschule Schwäbisch Hall (Haus der Bildung)

 

Das „Generalgouvernement“ bezeichnete die Teile Polens, die von 1939 bis 1945 vom Deutschen Reich militärisch besetzt, aber nicht unmittelbar durch Annexion in das Reichsgebiet eingegliedert wurden. Aus diesem Gebiet kam die ganz überwiegende Mehrzahl der späteren Häftlinge des KZ-Hessental. Die deutsche Besatzung überzog die dort lebende jüdische Bevölkerung mit Ausbeutung und Vernichtung.

Das Generalgouvernement wurde mit einem dichten Netz von Lagern überzogen, die jüdische Bevölkerung sperrte man in Ghettos, wo sie zum Arbeitseinsatz gezwungen wurden. Die antijüdische Politik gipfelte schließlich in der „Aktion Reinhardt“, bei der von März 1942 bis Oktober 1943 mehr als zwei Millionen polnischer Juden ermordet wurden.
Der Vortrag schildert die deutsche Besatzungspolitik in der „Todeszone“ Generalgouvernement und erzählt damit auch die Vorgeschichte der Hessentaler Häftlinge.