Die Häftlinge

Die Häftlinge  Bei den Häftlingen des Hessentaler Lagers handelte es sich fast ausnahmslos um polnische Juden, die zuvor in den Arbeitslagern in Radom und Umgebung für die deutsche Besatzungsmacht geschuftet hatten. Nachdem die SS Radom vor der anrückenden sowjetischen Armee evakuiert hatte, wurden die Häftlinge nach Auschwitz verschleppt. Auf der dortigen Rampe selektierte man die Arbeitsfähigen; ihre Angehörigen und Freunde gingen in die Gaskammern. Die Überlebenden wurden in Viehwaggons nach Vaihingen/Enz transportiert. Von dort kamen sie nach Hessental.

BU 5 und 6: Die Gebrüder Zalcman, Häftlinge des KZ Hessental

Das Stelenfeld auf dem Appellplatz des Lagers symbolisiert die Opfer des Konzentrationslagers Hessental. An diesem zentralen Ort des Lagers fanden nicht nur die täglichen Zählappelle statt, hier wurden auch die "Bestrafungen" der Häftlinge durchgeführt.

Von den ungefähr 800 Insassen des Lagers sind inzwischen mehr als 600 namentlich bekannt. Die meisten Namen sind den erhalten gebliebenen Teilen einer Häftlingsliste entnommen. Sie ist vermutlich für den Transport der Häftlinge von Vaihingen/Enz nach Hessental im Oktober 1944 entstanden.

 

Die auf den Stelen angebrachten Tafeln verzeichnen die Namen der bisher bekannten Häftlinge und nennen ihren Herkunftsort sowie ihr Alter zum Zeitpunkt der KZ-Haft in Hessental. Sie geben dem ansonsten anonym bleibenden Leiden konkrete Namen.

 

Arbeitseinsatz der Häftlinge

 

Wichtigster Nutznießer der Insassen des Hessentaler Lagers war die Bauleitung des Fliegerhorstes Hessental. Gegen eine tägliche Gebühr wurden die Häftlinge von der SS "gemietet". Ihre Hauptaufgabe bestand darin, die Bombenschäden auf der Rollbahn zu beseitigen und den Flugplatz, der wegen der Endmontage und Einfliegerei der ME 262 von kriegswirtschaftlicher Bedeutung war, benutzbar zu halten. In der unmittelbaren Produktion waren sie offensichtlich nicht beschäftigt.

 

Die Häftlinge legten Verbindungswege im Wald an, waren im Baracken- und Gleisbau tätig und arbeiteten in Steinbrüchen. Auch in Haller Gewerbebetrieben, bei Handwerkern und Landwirten kamen sie zum Einsatz. Schließlich setzte sie die Stadt Hall zum Bunkerbau und zur Beseitigung von Trümmern ein: etwa nach dem schweren Luftangriff am 23. Februar 1945.

 

Eskortiert und bewacht wurden die Arbeitskommandos der KZ-Häftlinge neben den SS- und OT-Wachleuten von Luftwaffensoldaten. Üblicherweise dauerte der tägliche Arbeitseinsatz der Häftlingskommandos – bedingt durch die dunkle Jahreszeit – von 7 Uhr bis 17 Uhr. Er begann und endete mit einem Zählappell auf dem Lagerplatz.

 

Auf dem Weg zu ihren Arbeitsstellen und zurück zum Lager wurde die Kolonne der Häftlinge täglich durch Hessental getrieben. Dabei spielten sich regelmäßig Szenen brutaler Misshandlung ab. Ein Hessentaler Bürger, Augenzeuge des täglichen Häftlingsmarsches, berichtet: "Wenn ein oder der andere Häftling nach seiner täglichen schweren Arbeit im Steinbruch, beim Straßenbau auf dem Heimweg ins Lager durch eine Fußverletzung oder vor lauter Übermüdung, Anstrengung und Schwäche nicht einen militärischen Gleichschritt einhalten konnte, so wurde zuerst von dem betreffenden Wachmann der Wolfshund auf diesen armen wehrlosen Menschen gehetzt. Hat der Hund dann den Häftling einige Male angerannt und gebissen, dann sprang der Wachmann auf diesen zu und schlug mit dem Gewehrkolben in unmenschlichster Weise auf ihn ein."